"Neue Westfälische" vom

Virtuosität mit Witz und wiehernden Trompeten

Tausend Besucher feierten die Brassmen beim „Dankeschönkonzert“ in der Pauluskirche

Bünde (rop). Dicht drängten sich die Besucher in den Bankreihen und auf den Emporen. Tatkräftige Helfer eilten mit schnell herbeigeschafften Stühlen durch die Gänge, um des überwältigenden Ansturms Herr zu werden: Rund tausend Musikfreunde strömten am Sonntagnachmittag in die Pauluskirche. Mit Witz und Virtuosität sprach ihnen das Blechbläser-Quintett Brassmen auf Einladung des Fördervereins ein musikalisches „Dankeschön“ für breite Unterstützung und vielfältiges Engagement aus.

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„Vor zwei Jahren stand diese Kirche vor dem Aus“, blickte Kurt Haubrock, Vorsitzender des Fördervereins zur Erhaltung der Pauluskirche, zurück auf den Beginn einer ungewöhnlichen Welle der Hilfsbereitschaft. „Doch es ist uns gelungen, dass sie wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, hell leuchtet und mit Leben erfüllt ist.“ Grund genug also, Dank zu sagen mit einem im besten Wortsinne „außer-gewöhnlichen“ Konzertprogramm. Denn mit musikalischer Finesse und einer gehörigen Prise Selbstironie streiften die Brassmen durch die Jahrhunderte.

Ob Mozart oder Abba, Jazzklassiker oder Bach-Choral – die Grenzgänger im Dienste vollendeten Klangs wandelten ganz ungeniert zwischen den Genres. Schwerelos eilten sie durch die heiteren Läufe der „Kleinen Nachtmusik“. Temperamentvoll brachte sie mit dem Cancan das Blut in Wallung, um wenig später mit den größten Hits der schwedischen Popgiganten Abba von „Mamma Mia“ bis „Fernando“ in wirkungsvoll ausgekosteten Harmonien zu schwelgen.

Der Posaunist nutzt die allzu lange Moderation zu einer schnellen Rasur. Der Hornist lockert gespannte Trompeter-Muskeln mit einer kurzen Massage auf: Für die Musikfreunde verbanden Johannes Langendorf und Markus Motschenbacher (beide Trompete), Micha Klappert (Horn), Richard Meindl (Tuba) und Klaus-Peter Diehl (Posaune) ihre niveauvolle Klangkunst mit viel Humor. Da präsentierte sich Tschaikowskys Blumenwalzer bühnenwirksam im Ballettröckchen, wieherte die Trompete täuschend echt durch den Wilden Westen von Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Und auch vor dem scheinbar Unmöglichen schrecken die Brassmen nicht zurück. Der „Klarinettenmuckel“ verwandelte sich deshalb zur nachhaltig eingeforderten Zugabe kurzerhand in ein Flammen schlagendes Bravourstück für Solo-Tuba. Doch die leidenschaftlichen Bläser beherrschen bei aller augenzwinkernden Musikbegeisterung auch die nachdenklichen Töne. Denn neben ihrer Freundschaft und der Liebe zum vielfältigen Klang verbindet die vier Militärmusiker und CVJM-Bundesposaunenwart Diehl auch der Glaube an Gott: „Vorsicht! Kann Leben verändern!“ klebt als euronormtaugliches Warnetikett auf ihrer Bibel.

Zur sanft intonierten Einladung avancierte deshalb im weichen Klangbild des Quintetts Bachs Erkenntnis „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Mit „Dona nobis pacem“ setzte das Ensemble den ruhigen Schlusspunkt unter ein ebenso hochkarätiges wie heiteres Konzert – das erste der Brassmen in Bünde, aber keineswegs das letzte, wie Kurt Haubrock zuversichtlich versprach. Der Förderverein hofft unterdessen, dass die Pauluskirche weiterhin von breiter Unterstützung getragen wird. Seinem Dank schloss sich auch Bürgermeister Wolfgang Koch an: „Engagierte Bünder haben dieser Kirche eine lebendige Zukunft gegeben!“

© 2010 Neue Westfälische
Bünder Tageblatt, Dienstag 23. Februar 2010 www.nw-news.de

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