"Ludwigsburger Kreiszeitung" vom

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Mit zackiger Marschmusik liefen die Musiker in die Gemeindehalle ein.Bild: Alfred Drossel

Carmens Torero spielt Trompete

Bläserensemble „Brassmen“ überrascht bei seinem Konzert mit lustigen Show-Einlagen

HESSIGHEIM

Der Posaunen­chor Hessig­heim hat sich zu seinem 50. Geburts­tag selbst beschenkt und die Blech­bläser­gruppe „Brass­men“ ein­geladen. Sie nahm das Publikum am Samstag­abend auf eine Reise durch die Musik­geschichte. Die Profi­musiker zeigten – nicht nur auf ihren Instru­menten – echte Spiel­freude.

Von Christine Schick

Die Gäste, die kurz vor Konzert­beginn in die Halle strömten, mussten sich be­eilen, um noch einen Platz zu ergattern. Dann ging's zackig los: Zur Begrüßung zogen die fünf „Brassmen“ mit einem Militär­marsch durch die Reihen auf die Bühne ein. Aber auch wenn vier der Band­mit­glieder haupt­beruflich Heeres­musiker sind, gehen sie doch augen­zwinkernd damit um – und nicht nur damit. Johannes Langen­dorf (Trompete), Micha Klappert (Horn), Richard Meindl (Tuba), Klaus-Peter Diehl (Posaune) und Markus Motschen­bacher (Trompete) präsentierten dem Publikum klassische Stücke, Gospels bis hin zu einem Streif­zug durch das Werk von ABBA.

Beim Gospel „Go tell it on the mountain“ forderte Johannes Langen­dorf das Publikum erst einmal dazu auf, die Taktart heraus­zufinden: „Wir wissen's auch nicht“. Doch spätestens beim „Ungarischen Tanz“ (Brahms) wurde klar, dass die Fünf die hohe Kunst des Blech­blasens perfekt beherr­schen. Jeder Ton und Takt­wechsel saß.

Auch die humor­vollen, durchaus auch selbst­ironischen Mode­rationen machten Spaß. Nachdem Trompeter Johannes Langen­dorf in Andenken an die Pisa-Studie für die Jüngeren im Publikum Mozart mit einer wuscheligen Perücke visualisiert hatte, konnte sich die Band beruhigt auf die „Kleine Nacht­musik“ stürzen. Die Musiker spielten eine flotte Variante der bekannten drei Sätze mit kunst­vollen Ein­lagen.

Egal ob Klassik oder Pop, die fünf Musiker zeigten einen gekonnt spielerischen Umgang mit den Stücken, ohne sie zu jedoch dabei zu ver­albern. Dabei brachten sie bei so mancher Einlage auch zum Aus­druck, dass sie fest im christ­lichen Glauben verankert sind – was für eine profes­sionelle Band mutig und irri­tierend zugleich erscheint.

Band zeigt sich fest im christ­lichen Glauben verankert

In einem kleinen „carmenschen“ Stier­kampf rückte Torero Markus Motschen­bacher mit rotem Tuch an der Trompete dem als Kuh verklei­detem Johannes Langen­dorf zu Leibe. Nach der Pause machte sich die Truppe dann an die moderne Pop­musik von ABBA, aus einer Zeit „als Hans Rosen­thal, Heinz Schenk und Biene Maja noch die wahren Super­stars waren“. Im „Livery stable blues(Jack Gale), eine Hommage an das Land­leben, ließen die Profi­musiker auch Hühner und Pferde zu Wort kommen – mal per Trompete, mal a cappella. Und auch beim „Tuba­muckel“ (Heiko Kremers) konnten die Zuhörer stauen, was Richard Meindl so alles aus seinem mächtigen Blas­instrument heraus­holen kann.

Das Publikum war begeistert, wollte die Truppe auch nach der dritten Zugabe noch nicht ziehen lassen. Charmant setzten die Fünf einen versöhn­lichen Schluss­punkt: Ein letztes Mal liefen sie mit Schlaf­mützen und kleinen Lampions ein und verab­schieden sich mit einem „Ich geh mit meiner Laterne“ – a capella.

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